Epochen der Modellbahn

Auf dieser Seite möchte ich euch die Definition der Modellbahnepochen in Deutschland aufzeigen.


Epoche Zeitraum   
Epoche I
1835
- 1920
Epoche II
1920
- 1950
Epoche III
1945/49 - 1970
Epoche IV
1965/70 - 1990
Epoche V
1990 - 2005/06
Epoche VI
ab 2007  

Epoche I

 

Die Epoche I beginnt 1835 mit der ersten Dampfeisenbahn und umfasst die Zeit bis 1920. Diese Epoche wird häufig auch als Länderbahnzeit bezeichnet. Dies begründet sich dadurch, dass es vor dem Ersten Weltkrieg auf dem Gebiet des deutschen Kaiserreichs viele verschiedene Länder (ähnlich den heutigen Bundesländern) gab. Der Großteil dieser Länder hatte seine eigene Staatseisenbahn und auch eigene Lokomotivtypen. So gab es beispielsweise die Königlich Bayerische Staatsbahn, die Preußischen Staatseisenbahnen oder die Königlich Württembergische Staats-Eisenbahnen. Jede Bahngesellschaft verwendete ihre eigenen Hoheitszeichen und Hausfarben und lackierte die Personenwagen teilweise in verschiedenen Farben entsprechend der Wagenklassen. Dadurch waren die Züge im Vergleich zu denen späterer Epochen recht bunt. Die Länderbahnzeit wurde noch deutlich von Dampfloks dominiert, erst gegen Ende dieser Epoche kamen die ersten Elektroloks auf.

 

Die Epoche I lässt sich in folgende vier Perioden untergliedern:

Epoche I a 1835 bis 1875 Anfänge der Eisenbahn
Epoche I b 1875 bis 1895 Verstaatlichung der Eisenbahnen in Preußen
Epoche I c 1895 bis 1910 Rasanteste Enteicklung in Bahntechnik und Verkehrswese
Epoche I d 1910 bis 1920 Deutscher Güterwagenverband, Kriegsbetrieb und Inflation

Epoche II

 

Die Epoche II beginnt 1920 mit der Gründung der Deutschen Reichsbahn und reicht bis 1950. Diese Epoche wird daher auch als „Reichsbahnzeit“ bezeichnet. Diese Epoche war dadurch geprägt, dass die neuen Einheitsdampflokomotiven gebaut wurden, welche die über 200 verschiedenen Länderbahntypen ablösen sollten. Einige Länderbahnbaureihen überlebten aber fast bis zum Ende der Dampflokunterhaltung, wie z.B. die preuß. P8 - die spätere BR 38.10-40. Bei der Entwicklung der Einheitslokomotiven wurde darauf geachtet, dass möglichst viele Teile mit anderen Baureihen tauschbar sind. Das Ziel war es, dadurch die Ersatzteilhaltung zu vereinfachen und somit die Lokomotiven in ganz Deutschland reparieren zu können. Außerdem erhielt das Wagenmaterial eine Einheitslackierung: Personenwagen in braungrün, Güterwagen in rotbraun. Die Epoche II war die letzte große Blütezeit der Dampflokomotiven, da die Konkurrenz durch Elektro- und Diesellokomotiven immer größer wurde.

 

Die Epoche II lässt sich in folgende drei Perioden untergliedern:

Epoche II a 1920 bis 1925 Übergang der ehemaligen deutschen Länderbahnen auf das Reich unter der dem Namen „Deutsche Reichsbahn“,Gründung der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft (1924), Loks tragen noch die Länderbahnbezeichnungen und -farben
Epoche II b 1925 bis 1937
Einführung der einheitlichen Lokomotivanstriche (z.B. bei Dampfloks das noch heute bekannte schwarz/rot), Einführung des einheitlichen Nummernplanes, Elektrifizierung in Süddeutschland
Epoche II c 1937 bis 1950
Verstaatlichung als „Deutsche Reichsbahn“, Anschluss Österreichs und Eingliederung der BBÖ, Reichsadler an Triebfahrzeugen und Reisezugwagen, Kriegszeit, frühe Nachkriegszeit, Mangel und Hamsterzüge, Ende mit Gründung der Deutschen Bundesbahn in Westdeutschland bzw. wieder eigenständiger Betrieb in der DDR

Epoche III

 

Die Epoche III beginnt 1945/1949 mit der Gründung der Deutschen Bundesbahn in der BRD sowie der Deutsche Reichsbahn in der DDR und reicht bis 1970. Wie im täglichen Leben spricht man auch bei der Modellbahn von der „Nachkriegszeit“ und der Wirtschaftswunderzeit. Charakteristisch für diese Epoche war ein extrem gemischter Fahrzeugpark. Vorkriegsmaterial wurde - soweit noch vorhanden - weiterhin eingesetzt, aber allmählich durch Neubauten ersetzt. Die Dampfloks waren noch längst nicht verschwunden, ihre Blütezeit ging aber langsam zu Ende. Es wurden zwar bei beiden deutschen Bahnverwaltungen noch die sogenannten Neubau-Dampfloks gebaut, was aber darin begründet lag, dass man mit dieser Antriebsart bereits viel Erfahrung hatte und der Verkehr möglichst schnell wieder anlaufen sollte. Die Neubau-Dampfloks dienten also eher als "Lückenbüßer", denn es sollten zukünftig nur noch Diesel- und Elektroloks gebaut werden, welche die Dampfloks nach und nach ablösen sollten. So verwundert es auch nicht, dass einige der neuen Baureihen nicht über die Erprobungsträger hinausgekommen sind (z.B. BR 10 oder 66) oder nur wenige Exemplare gebaut wurden (z.B. BR 65 oder 82). Die Fahrzeuge trugen noch die altbekannten Nummern sowie die vorgestellten Buchstaben bei den neuen Traktionsarten (E bei Elektroloks, V bei Verbrennungsfahrzeugen etc.)

 

Die Epoche III lässt sich in folgende Perioden untergliedern:

Westdeutschland (BRD)
Epoche III a 1949 bis 1956 Wiederaufnahme des Betriebs nach dem Krieg - Aufschrift "Deutsche Bundesbahn"
Epoche III b 1956 bis 1970  Aufschrift "DB" (der sog. DB-Keks); Klassenreform (Abschaffung der 3. Klasse)
Ostdeutschland (DDR)
Epoche III a 1949 bis 1956 Wiederaufnahme des Betriebs nach dem Krieg
Epoche III b 1956 bis 1970 Klassenreform (Abschaffung der 3. Klasse); Einführung des Dreilicht-Spitzensignals

Epoche IV

 

Die Epoche IV beginnt 1965/1970 mit der Einführung einheitlicher UIC-Nummern und reicht bis 1990. Im Fernverkehr der DB prägten die rot/beigen TEE- und die ozeanblau/beigen InterCity-Züge mit ihren neuen Farbvarianten das Bild. Auch in der DDR wurden neue Zugarten eingeführt wie der StädteExpress und InterExpress. Die letzten Dampfloks werden 1977 bei der Deutschen Bundesbahn (BRD) und 1988 bei der Deutschen Reichsbahn (DDR) aus dem Regelbetrieb genommen.

 

An dieser Stelle wird eine Problematik der epochenmäßigen Darstellung deutlich. Es lässt sich nicht immer scharf abgrenzen wann eine Epoche beginnt bzw. endet.
 
So überschneidet sich hier die Definition der letzten Periode der Epoche III (III b bis 1970) mit der Definition der ersten Periode der Epoche IV (IV a von 1965 bis 1970). Als sicherstes und eindeutiges Kennzeichnungsmerkmal der Veränderung gilt das 1968 neu eingeführte Kennzeichnungssystem ("Computernummer") für Triebfahrzeuge. Alle anderen Abgrenzungsmerkmale besitzen einen fließenden Übergang.

 

Die Epoche IV lässt sich in folgende Perioden untergliedern:

Westdeutschland (BRD)
Epoche IV a 1965 bis 1970 UIC-Nummern, Computernummern bei Lokomotiven
Epoche IV b 1970 bis 1980 Einklassiger IC (statt des TEE), aufkommen des Farbschemas ozeanblau/beige
Epoche IV c 1980 bis 1990

erste orientrote Triebfahrzeuge, Auftritt des InterCityExperimental, Abstellung der letzten Vorkriegslokomotibe der BR 194

Ostdeutschland (DDR)
Epoche IV a 1965 bis 1970 UIC-Nummern, Computernummern bei Lokomotiven
Epoche IV b 1970 bis 1980 Neues Farbschema für Lokomotiven (rot bzw. orange)
Epoche IV c 1980 bis 1990 Neues Farbschema für Personenwagen

Epoche V

 

Die Epoche V beginnt 1990 mit der Wiedervereinigung Deutschlands und der 1994 daraus folgenden Vereinigung der DB und der DR. In dieser Epoche bricht bei der Bahn das Zeitalter des Hochgeschwindigkeitsverkehrs an. Die Epoche V endet 2005/06. Mit der Bahnreform 1994 wird die Deutsche Bahn AG gegründet und durchgängig privatisiert. Durch immer neue Mitbewerber, die jeweils eigene Fahrzeuge in ihren Hausfarben betreiben, entstand auf Europas Bahngleisen eine ungeheure Farbenvielfalt. Der schon vor Jahrzehnten in Amerika entstandene Trend, die glatten Seitenflächen von Loks und Güterwagen für Werbeaufdrucke zu vermieten, schwappt in den 1990ern nach Europa, was noch einmal für eine Zunahme der Fahrzeugvielfalt sorgt. Neue internationale Fernverkehrszüge (z.B. EuroCity, InterCityNight) sowie Mehrsystem-Elektroloks, die ohne technische Anpassungen freizügig zwischen vielen unterschiedlichen Ländern und Stromsystemen verkehren können, bestimmen zunehmend das Bild auf Europas Bahnstrecken.

 

Die Epoche V lässt sich in folgende drei Perioden untergliedern:

Epoche V a 1990 bis 1994 Trotz der Wiedervereinigung von BRD und DDR blieben die beiden deutschen Bahnen vorerst eigenständig
Epoche V b 1994 bis 2000
Gründung der Deutschen Bahn AG und Einführung des neuen DB-Signets - als Botschafter beider Bahnverwaltungen stehen sich die 18 201 der DR und ein ICE der DB gegenüber
Epoche V c 2000 bis 2006 Im Personenverkehr werden überwiegens Triebwagen/-züge und Wendezüge eingesetzt, Rückzug der Deutschen Bahn aus der Fläche

Epoche VI

 

Die Epoche VI beginnt 2007 mit der Einführung der neuen UIC-Beschriftungsrichtlinie für alle europäischen Schienenfahrzeuge. Durch diese neue Beschriftungsrichtlinie ändern sich die Anschirften der Fahrzeugnummern teilweise erheblich. So müssen die UIC-Nummern nicht mehr die Bahn sondern das Land kennzeichnen: Bei Wagen der DB wird somit aus „80 DB“ die neue Kennzeichnung „80 D-DB“. Bei Loks wird jetzt eine 12-stellige UIC-Nummer ähnlich der von Wagen angeschrieben. Neben den traditionellen Bahngesellschaften wird das Schienennetz von zahlreichen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU), sowohl national als auch international, befahren. Die gemeinsame Bewirtschaftung von Güterwagen (RIV und OPW) ist aufgehoben. Der Rückgang des Güterverkehrs in der Fläche geht einher mit dem Rückbau von Güterverkehrsanlagen und Rangierbahnhöfen. Es überwiegen Trieb- und Wendezüge im Reiseverkehr und Ganzzüge im Güterverkehr.

 

Die Epoche VI ist durch folgende Gegebenheiten gekennzeichnet:

- 12-stelliges Nummernschema ohne einheitlich gestaltete Erkennungsanschriften
- Unabhängig von der Infrastruktur agierende Bahnunternehmen
- Kein einheitliches Farbkonzept
- Rückbau oder Offenlassung entbehrlicher Infrastruktur
- Konzentration des Güterverkehrs auf Verkehrszentren

Quelle der Ausgangsinformationen: Wikipedia